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«Backe, backe Kuchen»

Dank mei­nem Sohn Leon erfah­re ich Spra­che auf eine neue Art und Wei­se. Mit sei­nen bald 20 Mona­ten hat er schon erstaun­lich viel gelernt und er über­rascht uns immer wie­der von Neu­em. Gera­de kürz­lich hat er einen Gegen­stand beschrie­ben, indem er zwei von­ein­an­der unab­hän­gi­ge, aber ihm bekann­te Wör­ter kom­bi­nier­te. So wur­de der Schop­pen für sei­ne Cou­si­ne zu «Bébé d®inken».

Spra­che bedeu­tet ja auch immer Zuge­hö­rig­keit und Abgren­zung, Bas­ler gegen Zür­cher, Wal­li­ser gegen die Üsser­schwii­zerund so fort. Ich bin gespannt, ob Leon mein Bern­deutsch, das Hoch­deutsch mei­ner Frau oder das Basel­deutsch von sei­nem Wohn­ort übernimmt.

Beruf­lich ist für mich eine gute Sprach­be­herr­schung essen­ti­ell. Ich arbei­te im Kun­den­dienst bei der Post und behand­le regel­mäs­sig eska­lier­te Rekla­ma­tio­nen. Wäh­rend man am Tele­fon direkt auf all­fäl­li­ge Miss­ver­ständ­nis­se noch ein­ge­hen kann (und immer auch eine non-ver­ba­le Rück­mel­dung erhält), so ist dies im Schrift­ver­kehr kaum mög­lich. Umso wich­ti­ger ist es, sich klar und all­ge­mein ver­ständ­lich aus­zu­drücken. Je nach Medi­um ver­än­dert sich ja auch die Form der Spra­che. Wäh­rend Brie­fe und Emails for­mal gehal­ten wer­den, so sind unse­re Ant­wor­ten in den sozia­len Kanä­len fast schon kollegial.

Pri­vat schrei­be ich in der Regel Emails und Kurz­nach­rich­ten auf Hoch­deutsch, obwohl mei­ne Mut­ter­spra­che Bern­deutsch ist. Geschrie­be­ne Mund­art ist für mich oft sehr anstren­gend zu lesen, vor allem bei län­ge­ren Texten.

Inter­es­sant ist ja auch, wie eine Fremd­spra­che die eige­ne Mut­ter­spra­che bedrän­gen kann. Ich leb­te für eine Wei­le in Eng­land und kom­mu­ni­zier­te dort fast aus­schliess­lich auf Eng­lisch. Als ich danach in Deutsch­land war, fie­len mir gewis­se Wor­te nur noch auf Eng­lisch ein und ich muss­te sie gedank­lich zurück auf Deutsch über­set­zen. Das führ­te zu so eini­gen Lachern.

So, nun wird es wirk­lich Zeit für Leon ins Bett zu brin­gen. Was ich ihm heu­te wohl vor­sin­ge? «Backe, backe Kuchen» mag er in letz­ter Zeit sehr…

 

***Die­ser Text ent­stand im Herbst 2018, im Rah­men der Stand­ort­be­stim­mung für das Modul Wirt­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on. Mitt­ler­wei­le ist mein Sohn über 2 Jah­re alt und ein rich­ti­ges Plap­per­maul. Regel­mäs­sig kom­man­diert er uns auch schon (ver­bal) her­um: «hopp, hopp Papi!», «Papi, chu­meee itze!». Obwohl, eigent­lich reflek­tiert er ja vor allem das, was wir ihm als Eltern vor­re­den und vor­le­ben. Wir müs­sen zum Teil schon höl­lisch auf­pas­sen, was wir sagen. Herr­gott nonemal! 

 

Pho­to by Dilya­ra Gari­ful­li­naon Unsplash

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