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Erstens kommt es anders und zwei­tens als man denkt

Mei­ne Fami­lie siech­te kürz­lich gera­de eine Woche vor sich hin. Zuerst erwisch­te es mei­nen Sohn, zwei Tage spä­ter mei­ne Toch­ter, dann war ich an der Rei­he und zum Schluss auch noch mei­ne Frau. So Krank­hei­ten sind ja gene­rell nicht lustig, mit klei­nen Kin­dern kann es die Höl­le sein. Man ist sel­ber völ­lig am Ende und muss dann noch irgend­wie die Kin­der bespas­sen, denn krank kön­nen die ja nicht in die Kita. Die­ses Mal hat es uns fast eine Woche lang aus­ge­knockt. Die Wäsche türm­te sich, im Job blieb Arbeit lie­gen, nichts für die FH gemacht.

Als ich mich für das Stu­di­um ent­schied, war mir klar, dass ich mir von Anfang an Reser­ven auf­bau­en muss. Zeit­re­ser­ven, damit ich, wenn alles Berg ab geht, nicht völ­lig unter­ge­he. Nun ja, was bedeu­tet das für mich? Sehr ein­fach und sehr unse­xy: Ich muss mir jede Woche Zeit neh­men, um zu ler­nen. Also nicht nur so ein biss­chen, son­dern so rich­tig. Im ersten Seme­ster wuss­te ich, dass mei­ne Toch­ter gegen Jah­res­en­de auf die Welt kom­men soll­te. Mit etwas Glück etwas frü­her, mit etwas Pech direkt in der Prüfungsphase.

Ich sel­ber woll­te mir eine Reser­ve von drei Wochen auf­bau­en, also dass ich drei Wochen lang völ­lig auf das Ler­nen ver­zich­ten könn­te, auch direkt vor den Prü­fun­gen, und trotz­dem bereit wäre. Bis Weih­nach­ten rea­dy sein. So weit, so gut. Am 16. Dezem­ber lud ich mei­ne Dis­po­si­ti­on auf Mood­le hoch, eine Woche frü­her als der Abga­be­ter­min war, und auch sonst hat­te ich den Ein­druck, dass ich gut unter­wegs war. Doch dann kam es, wie es kom­men muss­te. Ein Tag spä­ter kam mei­ne Toch­ter auf die Welt, zwei Wochen vor dem Ter­min. Und so ver­scho­ben sich die Prio­ri­tä­ten. Viel Fami­lie, etwas Arbeit, null Pro­zent lernen.

Nach ziem­lich genau drei Wochen schien sich das gan­ze ein­zu­pen­deln, mein Plan auf­zu­ge­hen. Es blieb noch eine Woche bis zu den Prü­fun­gen, um mich wie­der fit zu machen. Doch dann kam es anders. Mei­ne Toch­ter krieg­te Fie­ber, was für Neu­ge­bo­re­ne lebens­be­droh­lich sein kann, und muss­te für meh­re­re Näch­te ins Kin­der­spi­tal zur Beob­ach­tung. Mei­ne Frau war natür­lich die gan­ze Zeit bei ihr und über­nach­te­te auch dort. Ich sel­ber blieb bei mei­nem Sohn, doch mit Ler­nen war jetzt nichts mehr. Aus den drei Wochen wur­den vier.

Am Frei­tag­abend vor der Prü­fungs­wo­che konn­te ich mich das erste Mal wie­der dem Stoff wid­men. An die­sem Abend wäre ich sang- und klang­los durch jeg­li­che Prü­fung durch­ge­ras­selt. Doch jetzt zahl­te sich mei­ne Vor­be­rei­tung aus: da ich vor allem nur noch Wis­sen reak­ti­vie­ren muss­te, reich­te mir die kur­ze Zeit, um mich wie­der fit zu machen. Selbst die noch in der Prü­fungs­zeit ein­ge­fan­ge­ne Angi­na und das Anti­bio­ti­ka konn­ten mich nicht mehr stop­pen. Das Assess­ment­se­me­ster war geschafft.

Es gibt Fächer, da kann ich rich­tig viel ler­nen. Und dann gibt es sol­che, die sind so, naja. Doch wo ich am mei­sten Kom­pe­ten­zen dazu­ge­win­nen konn­te, das steht in kei­nem Stun­den­plan: Risi­ko- und Zeit­ma­nage­ment. Und dar­auf bin ich sehr stolz.

 

 

Pho­to by And­re Guer­ra on Unsplash

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