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Fra­gen über Fragen

«Wer hat das Licht im Trep­pen­haus ange­macht?», fragt mich mein Sohn. «Ich weiss es nicht, das war schon an», ant­wor­te ich. «Wie­so kann ich das nicht aus­ma­chen?», ich: «das geht auto­ma­tisch aus». «Wer hat das gemacht? Wie­so ist das so?», und dann wie­der ich, mit dem Ver­such, die Fra­ge­rei zu been­den und mei­nem Sohn trotz­dem eine anstän­di­ge Ant­wort zu geben, früh­mor­gens um sechs nota­be­ne, ent­geg­ne ihm, es gäbe halt bei allem Vor- und Nach­tei­le. Ich glau­be, ich wer­de alt. Denn kaum habe ich das gesagt, muss­te ich auch schon über mich lachen. Was für eine Ant­wort für mei­nen zwei­ein­halb­jäh­ri­gen Sohn. Was bit­te soll er mit so einer Aus­sa­ge anfan­gen und beant­wor­tet ist damit ja auch nichts. Immer­hin sind die Schu­he nun ange­zo­gen und wir kön­nen uns auf den Weg in die Kita machen. Auf einen Weg mit tau­sen­den von Fra­gen und Beob­ach­tun­gen zur Dun­kel­heit, zu den Autos, zum Mann im gegen­über­lie­gen­den Gebäu­de, zur Nach­bars­kat­ze und, und, und. Ich bin sehr stolz auf mei­nen Sohn, der so viel wis­sen will und mir dabei täg­lich die Augen öff­net für Klei­nes, das ich aus Gewohn­heit über­se­he, und für Gros­ses, das ich nicht mehr hin­ter­fra­ge. Ich den­ke immer wie­der, dass auch ich viel von ihm ler­nen kann, zu ler­nen zu stu­die­ren. Es scheint mir, als wären mei­ne Kin­der die bes­se­ren Stu­die­ren­den als ich. Sie fra­gen drauf­los und wol­len alles wis­sen, vor­ur­teils­los, ohne Scham, ohne Dün­kel. Sie beob­ach­ten, sie fra­gen und sie geben sich nicht zufrie­den, sie boh­ren nach und sie sind sich auch nicht zu scha­de, die glei­che Fra­ge hun­dert­mal zu wie­der­ho­len. Denn sie wol­len ein­fach nur ver­ste­hen! Kein Geld, kei­ne Süs­sig­kei­ten, kein Sta­tus lockt, nur die Neu­gier und der Wis­sens­durst steu­ert sie. Und so ver­su­che ich mir eine fet­te Schei­be von die­ser Neu­gier abzu­schnei­den und auf mein täg­li­ches Stu­den­ten­brot zu schmie­ren. «Papi, was machst du da? Papi, ich will mit dir spie­len!», «Ja, ich kom­me gleich, bin gleich fer­tig!». Zwi­schen­durch ist es aber auch ganz schön, kei­ne Fra­gen zu beant­wor­ten.   Pho­to by Júni­or Fer­rei­ra on Unsplash 
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