Photos20003

New Work Teil 2 No ghost in a shell

New Work Teil 2 No ghost in a shell

Letz­te Woche ging es ja um eine Form des zukünf­ti­gen Arbei­tens. Wir haben gese­hen, dass erste Schrit­te schon gemacht sind, zum Bei­spiel Co-Working und Home­of­fice. Auch das The­ma Free­lan­cer wird grossgeschrieben.

Es gibt ein pro­mi­nen­tes Bei­spiel, das schon heu­te fast aus­schliess­lich mit Free­lan­cern arbei­tet: Uber. Wie vie­le Taxi­fah­rer hat Uber ange­stellt? Kei­ne. Und trotz­dem ist es ein Taxi­un­ter­neh­men, ein­fach mit stän­dig wech­seln­dem Free­lan­cer, je nach Nach­fra­ge der Kun­den. Könnt ihr euch ein sol­ches Kon­zept auch in eurer Fir­ma vorstellen?

Mir fällt es schwer. Ich sehe hier eine Men­ge Her­aus­for­de­rung auf uns zukom­men. Auf die Gesell­schaft, auf die Judi­ka­ti­ve, auf die Poli­tik all­ge­mein. Damit die Arbeit­neh­mer völ­lig frei sind und sich nach dem eige­nen Wil­len orga­ni­sie­ren könn­ten, bräuch­te es eine Locke­rung des Arbeit­neh­mer­schut­zes (Wochen­stun­den). Gleich­zei­tig muss ein so hoher Bedarf an Free­lan­cern bestehen, dass sich Unter­neh­men kei­ne schlech­ten Anstel­lungs­be­din­gun­gen lei­sten kön­nen. Falls das nicht funk­tio­niert, müss­te der Arbeits­schutz ja aber wie­der ver­schärft werden.

Gehen wir ein­mal davon aus, dass sich dafür eine Lösung fän­de. Was ist aber mit Men­schen, die nicht als Free­lan­cer arbei­ten kön­nen, weil sie nicht die Fähig­kei­ten dazu haben oder sich nicht genü­gend schnell umschu­len las­sen kön­nen? Wenn die mei­sten repe­ti­ti­ven Arbei­ten auto­ma­ti­siert wer­den kön­nen, bedeu­tet das auch, dass es nur noch anspruchs­vol­le Arbeit gibt. Eig­nen sich wirk­lich alle Men­schen dazu? Was macht die Gesell­schaft für die­se Per­so­nen, die den Ansprü­chen die­ser hyper-dyna­mi­schen Arbeits­welt nicht gerecht werden?

Was pas­siert in der Über­gangs­zeit zwi­schen klas­si­scher Arbeit und New Work? Wir kön­nen nicht ein­fach neu­es Wis­sen (Ghost) den Men­schen (Shell) ein­imp­fen. Was pas­siert mit all den Men­schen, die in der Wirt­schaft mit ihren Fähig­kei­ten ein­fach nicht mehr gefragt sind?

Wol­len wir ein sol­ches Arbeits­mo­dell über­haupt? Die­se neue Welt wird unglaub­lich ver­lockend bewor­ben und ver­kauft, doch vie­les scheint mir ein Hype zu sein. Eine Fas­sa­de, die kra­chend auf alle Lem­min­ge fällt, die sich blind­lings auf New Work einlassen.

Wol­len wir uns in einem ste­ti­gen Bewer­bungs­pro­zess befin­den? Wol­len wir uns immer wie­der neu orga­ni­sie­ren müs­sen? Andau­ernd mit neu­en Men­schen zusam­men­ar­bei­ten, nur um nach Abschluss eines Pro­jek­tes alle hin­ter sich zu las­sen? Nie sicher sein, wie viel wir ver­die­nen und wann der näch­ste Zahl­tag ist?

Wo wäre dann der Anker für uns, der uns Sicher­heit gibt? Ohne Fami­lie sind eini­ge die­ser Fra­gen nicht so beun­ru­hi­gend, doch wenn garan­tiert wer­den soll, dass man sei­ne Kin­der ver­sor­gen kann, sind sie umso brisanter.

Ich bin sehr für Fort­schritt, ich bin sehr für Ver­än­de­run­gen und Aus­pro­bie­ren. Ich bin aber auch sehr für prag­ma­ti­sche, bedach­te Lösun­gen. Für mich ist vie­les an New Work noch Hype – und damit noch weit weg von einer nach­hal­ti­gen Zukunfts­vor­stel­lung für alle Gesellschaftsschichten.

 

 

Pho­to by Joshua Raw­son-Har­rison Unsplash

Share on facebook
Share on linkedin
Share on whatsapp
Share on telegram
Share on xing
Share on email