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Stu­di­um, Job, Kinder

Rechts von mir ein Kin­der­tisch­set, eine Obst­scha­le von Ales­si, Äpfel, Bana­ne, Zitro­ne und Limet­te, dane­ben eine Bre­zel, die mein Sohn so liebt, zwei Wind­lich­ter aus getön­tem Glas, die kürz­lich noch drei waren, bis mei­ne Toch­ter eines davon auf den Boden kata­pul­tier­te, links von mir ein Becher von Star­bucks, aber dar­in Pfef­fer­minz­tee aus der Migros, für mei­nen schmer­zen­den Rachen. Es ist neun Uhr, neun Uhr abends. Mei­ne Frau ist gera­de zu Bett gegan­gen, sie sel­ber war bis vor kur­zem noch an einer Sit­zung in Zürich, wir leben in Basel, uns blie­ben nur weni­ge gemein­sa­me Minu­ten zum Reden, aber um ehr­lich zu sein, war ich ein­fach auch zu müde und sie wohl auch und die Küche muss­te auch noch gemacht werden.

Zwi­schen halb sie­ben und halb neun brach­te ich unse­re Kin­der ins Bett, zuerst unse­re Klei­ne, neun Mona­te alt, sie brauch­te fast eine Stun­de, in der unser zwei­ein­halb­jäh­ri­ger Sohn, und da bin ich sehr stolz auf ihn, sich toll sel­ber beschäf­tigt hat, ab und zu vor­bei­ge­schaut hat, aber immer schön lei­se war, lei­der dabei auch den Küchen­bo­den voll­ge­krit­zelt hat, eben­so sein Gesicht, diver­ses Spiel­zeug und sei­ne Klei­dung. Je nu, auch wenn es ein Per­ma­nent-Mar­ker war. Irgend­ein­mal geht es dann schon weg. Hof­fent­lich. Dann noch Zäh­ne­put­zen und Büch­li anschau­en, sei­ne fluo­res­zie­ren­den Ster­ne im Kin­der­zim­mer bewun­dern, etwas kuscheln und war­ten, bis die­ses Nuschi­tier­chen neben mir end­lich einschläft.

Mor­gen wird er mich, wie auch schon das gan­ze Jahr über, sehr zuver­läs­sig spä­te­stens um sechs Uhr wecken. Wobei er seit neu­stem über­zeu­gen­de Kon­kur­renz von sei­ner klei­nen Schwe­ster erhält, die gegen fünf Uhr wach wird und ihre Eltern bespas­sen will. Ich hof­fe, das bes­sert sich noch vor der Zeitumstellung…

Auf jeden Fall habe ich mor­gen wie­der Vor­le­sun­gen. Das drit­te von acht Seme­ster hat gera­de ange­fan­gen: Infor­ma­ti­ons­ma­nage­ment, Ita­lie­nisch, Manage­ment Accoun­ting, Mikro­öko­no­mie und HRM/OB 2, eine Arbeit zur Berufs­pra­xis. Dane­ben arbei­te ich noch 60% im Treu­hand­be­reich. Zwei Aben­de pro Woche sind fürs Ler­nen reser­viert wie auch der Sonn­tag­mor­gen. Die rest­li­chen Aben­de ver­brin­ge ich bei mei­ner Fami­lie und so auch der gan­ze Sams­tag. Schrei­be Kolum­nen für die Fach­schaft und ab jetzt auch noch für die FHNews.

War­um tue ich mir das an? Das ist kei­ne Fra­ge, die ich mir bis jetzt gestellt habe. Denn ich lie­be mei­nen All­tag. Inten­siv, abwechs­lungs­reich, span­nend und her­aus­for­dernd. Ich bin sehr zufrie­den mit mei­nem Leben, es erfüllt mich total. Nur Spass macht es nicht immer. Es ist ein dich­tes Pro­gramm. Es ist viel. Ab und zu auch zu viel. Doch ich sehe das auch als Übung, Wich­ti­ges von Unwich­ti­gem zu tren­nen, Drin­gen­des von Auf­schieb­ba­rem, Unent­behr­li­ches von Luxus. Es ist ein täg­li­cher Balan­ce­akt Fami­lie, Bezie­hung, Stu­di­um und Arbeit, mei­ne hei­li­ge Vier­fal­tig­keit, unter einen Hut zu brin­gen und nie­man­den und nichts zu kurz kom­men zu lassen.

Doch wie geht das? Aus mei­ner Sicht läuft vie­les dar­auf hin­aus, Tages­ab­läu­fe ein­fach und kon­stant zu hal­ten und Stö­ren­des direkt anzu­spre­chen und anzu­packen. Reden ist wich­tig und dies mög­lichst offen und direkt. Sich gut abspre­chen, wer wann die Kin­der von der Kita abholt, wer wann die Kin­der allei­ne ins Bett brin­gen muss. An wel­chen Tagen ich ler­nen will, an wel­chen Tagen mei­ne Frau am Abend etwas unter­neh­men will. Wenn das «Grund­ge­rüst» Haus­halt steht (also Ein­kau­fen, Kochen, Waschen, Put­zen, Kin­der­be­treu­ung, etc.), dann lässt sich dar­auf auf­bau­en. Und Chan­cen zu ergrei­fen, wenn sie da sind.

 

Pho­to by Huto­mo Abri­an­to on Unsplash

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