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Wenn wir nur noch wer­ten statt denken.

Am Mon­tag­abend bin ich beim durch­scrol­len mei­ner Face­book Time­li­ne auf den fol­gen­den News Bei­trag von Tele­ba­sel gestossen:

«Ein Wil­de­rer in Süd­afri­ka, der sich auf Nas­horn­jagd befand, ist offen­bar von einem Ele­fan­ten nie­der­ge­tram­pelt und danach von Löwen gefres­sen worden.»

Mein erster Gedan­ke beim Lesen war: Das ist dann wohl Kar­ma. Bereits woll­te ich wei­ter­s­crol­len, mein Blick blieb aber am Like But­ton des Bei­tra­ges hän­gen. Über 200 User haben den Arti­kel mit gefällt mir mar­kiert, 17 von ihnen mit dem Her­zen und 28 reagie­ren auf den Bei­trag mit einem Haha. Dazu kom­men über 70 Kom­men­ta­re. Dar­un­ter fin­den sich eini­ge mit dem Aus­druck «Kar­ma». Die hat­ten wohl den­sel­ben Gedan­ken wie ich, woll­ten die­sen aber noch als Kom­men­tar sta­tu­ie­ren. Darf man ja. Nennt sich Mei­nungs­frei­heit.  Doch die Mehr­heit der Kom­men­ta­re lau­te­ten «E tol­li Nochricht», «Gut so!», «Super» oder «Per­fekt».

Beim lesen die­ser Kom­men­ta­re kom­me ich dann doch etwas ins Grü­beln. Ich bin abso­lut gegen Wil­de­rei und fin­de jedem Tier gebührt der­sel­be Respekt wie allen ande­ren Lebe­we­sen auch, aber sind wir tat­säch­lich so weit, dass wir uns in den sozia­len Medi­en über den Tod eines Men­schen freu­en? Über den Tod eines Men­schen, den wir über­haupt nicht ken­nen. Weder über sei­ne Geschich­te, noch über sei­ne sozia­le und fami­liä­re Situa­ti­on wis­sen wir etwas. Ich bin über­zeugt, die mei­sten haben nur den Face­book Post gele­sen und ihr Urteil so gleich gefällt. Es ist bedenk­lich, wie schnell wir heu­te ein Urteil fäl­len, ohne den Inhalt und die Quel­le der Infor­ma­tio­nen zu hin­ter­fra­gen und zu über­den­ken. Wer näm­lich die Ver­lin­kung des Bei­tra­ges anklickt und den Lead unter­halb des Titels liest, erfährt dort, dass von einem «mut­mass­li­chen Wil­de­rer» aus­ge­gan­gen wird.

Viel­leicht han­delt es sich bei dem Mann um einen armen Afri­ka­ner, wel­cher ver­zwei­felt ver­such­te sei­ne Fami­lie über Was­ser zu hal­ten. Was in kei­ner Wei­se jeg­li­che Art von Wil­de­rei recht­fer­tigt. Aber ange­nom­men es wäre so, dann soll­te viel­leicht vor der Abga­be eines sol­chen abschät­zi­gen Kom­men­tars, der Gedan­ke durch­ge­spielt wer­den, dass eine Frau ihren Ehe­mann, ein Kind sei­nen Vater und Eltern ihren Sohn ver­lo­ren haben. Ich wür­de mich über so etwas nicht freu­en! Und Kar­ma wäre das dann wohl auch nicht.

 

Quel­len:

Tele­ba­sel Facebook

https://telebasel.ch/2019/04/08/wilderer-von-elefant-niedergetrampelt-und-von-loewen-gefressen/

Pho­to by Mar­ten Bjork on Unsplash

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